Heimsieg gegen St. Pauli

Unabhängig davon, dass auch im dritten Jahr in der zweiten Liga noch jedes Spiel als Highlight betrachtet werden sollte, das alles andere als selbstverständlich ist, so bedeuten die Heimspiele gegen St. Pauli doch für einige Leute eines der ganz tollen Spiele, wo man dabei sein muss, so dass das Stadion bis auf wenige Plätze im Gästeblock ausverkauft war.
Dass es schwieriger ist, in einem mit Gelegenheitszuschauern vollen Stadion die Bude zu rocken, als im halbvollen Stadion haben wir schon oft erleben müssen. Doch die Stimmung heute war dann doch weitestgehend unter jeder Diskussion. Das alles nur auf die „Geil St. Pauli“-Kunden zu schieben wäre jedoch zu einfach. Gerade der Stimmungskern lieferte heute lediglich inhaltlich, als zum Spielbeginn ein Spruchband „Von Bürokraten nicht zu entscheiden! Stadionnamen gibt es für uns nur einen!" und das seit Aufbranden der Namensdiskussion regelmäßig verwendete „Jahnstadion“-Banner gezeigt wurden. Hier wurde Bezug genommen auf die Aussagen der Lokalpolitik, dass so etwas „nicht möglich“ wäre.
Was anschließend dann an Support kam war einfach zu wenig. Keine Leidenschaft, keine Lautstärke, keine Impulse – hier sind wir derzeit meilenweit von dem entfernt, was unsere Heimspiele vor nicht allzu langer Zeit besonders gemacht hat. Auch auf dem Rasen war das alles reichlich uninspiriert und so sah man einen müden Kick, in dem Pauli die besseren Chancen hatte. Dass man doch happy in die Pause ging verdankte man einem Bock der Gäste, dem wieder einmal schnell schaltenden Albers und einem frechen Abschluss von Marco Grüttner. Entschieden wurde das Spiel dann ausgerechnet durch Ex-Jahnler Philipp Ziereis, der sich durch zwei relativ sinnlose Fouls den frühzeitigen Feierabend holte. Dennoch verpasste es die Jahnelf in der folgenden Drangphase das Spiel zu entscheiden, so dass es am Ende doch noch spannend blieb. Immerhin jetzt kam so etwas wie Heimspielatmosphäre im Jahnstadion auf.
Am Ende standen drei Punkte, somit jetzt insgesamt 23 und somit 8 mehr als der heutige Gegner. Ein sicherlich beruhigendes Polster, jedoch sollte das Jahn-Publikum und insbesondere wir und unser Umfeld bald aufwachen und die zweite Liga wieder als Geschenk betrachten, als in vermeintlichen Liga-Alltag zu verfallen. Denn sollte sich diese „Mentalität“ eines Tages auf unsere Spieler übertragen, dann werden wir ganz schnell ein böses Erwachen erleben. Also Arsch wieder hoch, ob Ultras, Fans oder Zuschauer – Vollgas geben bei Heimspielen sollte dick in die Vorsätze für 2020 eingetragen werden!

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