Keine Normalität - solang sie nicht für alle gilt

Fast 20 Monate ist es nun her, dass wir als Gruppe Ultras Regensburg zum letzten Mal ein Spiel unseres geliebten SSV Jahn besucht haben und die Jahnelf so unterstützen konnten, wie wir es wollen und wie es auch unser Anspruch ist. Seitdem ist viel passiert und die Bedingungen, unter denen ein Fußballspiel stattfinden konnte, haben sich wieder und wieder geändert. Jedes Mal bedeutete das für uns eine Neubewertung der Situation und der Frage, wie wir uns nun verhalten. Immer wieder sind wir letztlich dabei gelandet, dass jeder für sich individuell entscheidet, ob er das Stadion betritt, wir aber als Gruppe nicht in Erscheinung treten.

Diesen eingeschlagenen Weg behalten wir grundsätzlich bei, jedoch mit einigen Veränderungen, um uns an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen.

Diese haben sich in einigen Bereichen in den letzten Monaten gebessert. So sind Stehplätze wieder erlaubt, die Maskenpflicht weitgehend abgeschafft und auch das Abstandsgebot aufgehoben. Das sind die wesentlichen Eckpunkte, um überhaupt einen vernünftigen Support auf die Beine stellen zu können.

Auf der anderen Seite ist es aber durch die weiterhin geltende 3G-Regelung, sowie insbesondere der Tatsache, dass seit Kurzem die Tests selbst bezahlt werden müssen, nicht allen Jahnfans und auch nicht allen unseren Mitgliedern möglich, das Stadion zu betreten. Zudem hindert die weiterhin - wenn auch vom SSV Jahn sehr pragmatisch durchgeführte - Personalisierung der Tickets einige am Stadionbesuch. Eine Rückkehr zur Normalität ist daher für uns auch weiterhin nicht denkbar, solange sie eben nicht für alle gilt.

Umgekehrt gilt es zu berücksichtigen, dass unser bisheriger Weg in Verbindung mit der wieder gefüllten Hans Jakob Tribüne überdacht werden muss. Es war zunehmend festzustellen, dass durch die zahlreichen kleinen, unorganisierten Stimmungsblöcke immer wieder gegeneinander, statt miteinander gesungen wurde und so teilweise ein grauenvoller Kauderwelsch an Liedern und Schlachtrufen entstanden ist. Gerade für unsere Leute unten am Zaun war es teilweise kaum mehr machbar, wenn man von hinten gleichzeitig von zwei Liedern in fünf verschiedenen Tempi beschallt wurde. Noch schlimmer war aus unserer Sicht, dass gerade in den wenigen sportlich schwierigen Phasen teilweise gar keine Stimmung mehr aufrecht zu erhalten war. Dabei war doch gerade das die große Stärke der Hans Jakob Tribüne. Dazu kommt, dass es natürlich bitter ist, dass der Leidtragende am Ende des Tages unser geliebter Sport- und Schwimmverein ist, der wohl am Wenigsten für die aktuelle Situation kann.

Um all diesen Umständen möglichst gerecht zu werden, haben wir uns ab sofort und bis auf weiteres für folgenden Weg entschieden:

  • Der anwesende Teil von UR wird sich ab sofort bei allen Heimspielen wieder um einen koordinierten Support bemühen. Es wird wieder ein Vorsänger auf dem Zaun stehen und eine Trommel den Rythmus koordinieren. Damit wird es zumindest wieder möglich, die Mannschaft einigermaßen gebührend zu unterstützen und auf den Mammutaufgaben in der 2. Bundesliga zu tragen, damit auch in dieser bisher so erfolgreichen Saison am Ende wieder mindestens die gewünschte 40 steht.
  • Worauf wir dagegen weiterhin verzichten werden, ist es optische Akzente zu setzen. Zaun- und Schwenkfahnen bleiben zu Hause und auch Choreos wird es weiterhin nicht geben. Stattdessen wird an der Stelle, wo sonst unsere Zaunfahne hängt, ein Banner mit dem Text "Keine Normalität - solang sie nicht für alle gilt" hängen. Es ist uns elementar wichtig, diejenigen Jahnfans nicht zu vergessen, denen aktuell das Herz blutet, weil für sie derzeit ein Stadionbesuch nicht in Frage kommt.
  • Wir werden auch wieder unsere Becherspende-Tonnen aufstellen. Da es aber aktuell wenig Sinn macht für Choreos zu sammeln, werden wir den Erlös daraus zu 100 % an die Jahnschmiede spenden.
  • Bei Auswärtsspielen wird die Situation individuell bewertet. Sind die Bedingungen identisch oder sogar besser als im Jahnstadion, werden wir in gleicher Weise vorgehen wie oben beschrieben. Sollten die Bedingungen restriktiver sein, wie leider beim Großteil der Spiele der Fall, werden wir weiterhin nicht, bzw. nur vereinzelt anzutreffen sein.
  • Allen Jahnfans, die sich einen Stadionbesuch aufgrund der kostenpflichtigen Tests nicht mehr leisten können, bieten wir an dieser Stelle an, uns zu kontaktieren. Ggf. wird es ja eine Möglichkeit geben, hier eine solidarische Lösung zu finden.


Wir sind uns bewusst, dass auch dieser Weg nicht alle glücklich machen wird und keine Optimallösung darstellt. Diese wird es erst wieder geben, wenn tatsächlich "Normalität" einkehrt. Möglich gemacht hat dieses kleine Stück Normalität auch unsere aktuelle Vereinsführung einerseits durch die Entscheidung gegen "2G/3Gplus", andererseits auch durch den jederzeit pragmatischen und gut kommunizierten Umgang bei der Durchführung der zahlreichen Maßnahmen.

Wir möchten aber an dieser Stelle auch eindeutig herausstellen, dass wir mit dieser Lösung deutlich an einer roten Linie, bzw. mit einem Bein darüber stehen. Es war und ist immer unser Credo, dass ein Ausschluss von einzelnen Leuten, ob durch Stadionverbot, Zugangsbeschränkungen oder sonstirgendwas, keine Alternative sein darf und niemals von uns akzeptiert werden wird. Wir wollen auch nicht verhehlen, dass es für einige unserer Mitglieder gerade bedeutet, bereits über die rote Linie gegangen zu sein. Daher behalten wir es uns natürlich vor, unser Vorgehen bei jeder Veränderung, insbesondere natürlich bei Verschärfungen jeglicher Art, neu zu bewerten und ggf. wieder einen Schritt zurückzutreten.

Umgekehrt freuen wir uns alle wie kleine Kinder vor Weihnachten auf den Tag, an dem die Zeit der Pandemie und damit die Zeit der Einschränkungen endlich vorbei ist und wir wieder gemeinsam mit allen Jahnfans im Stadion stehen und den großartigen SSV Jahn Regensburg von 1889 gebührend feiern können.

Bis dahin freuen wir uns über alle Jahnfans, die den schwierigen Weg mit uns zusammen gehen und uns unterstützen - sei es durch Solidarität, Zuspruch oder auch konstruktiver Kritik. Es wird der Tag kommen, an dem es sich lohnt, weiter am Ball zu bleiben und niemanden zu verlieren, um auch aus diesem Tal stärker hervorzugehen als je zuvor.

Immer weiter ihr rot-weißen Jungs!

Ultras Regensburg im Oktober 2021