Gegen die Kommerzialisierung des Fußballs

Beim Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf wurde aus der Ultrá-Szene ein Spruchband mit der Aufschrift „Die Fans sind der Rücken des Vereins – Normale Trikots statt Litfaßsäulen“ vor der Hans Jakob Tribüne aufgehangen. Damit soll auf einen Beschluss des DFB aufmerksam gemacht werden, der es ab der nächsten Saison Vereinen der dritten Liga erlaubt, Werbung auf der Trikot-Rückseite zu platzieren.

Als Ultrá-Gruppe sehen wir hierin einen weiteren Schritt in der immer stärker zunehmenden Vermarktung und Kommerzialisierung des Fußballs. Schon heute sind weite Teile des Sports der Profitmaximierung untergeordnet, sei es durch die Vermarktung von Stadion- und Tribünennamen, sei es durch die permanente Bombardierung mit Werbung vor, während und nach den Spielen, oder durch die Wettbewerbsverzerrung dank zunehmend (finanziell) komplett entrückten Top-Vereinen. All das führt zu einer kontinuierlichen Entfremdung in weiten Teilen der Anhängerschaft vom einstigen Volkssport. Die erweiterten Werbe-Möglichkeiten in der dritten Liga sind nur der nächste Schritt in einer langen Reihe von Enttäuschungen.

Wenn der DFB gönnerhaft darauf verweist, dass die Anregung dazu aus den Vereinen kam und es jedem Verein frei steht diese Möglichkeit zu nutzen, dann zeigt er damit nur, dass er die Debatten und Kritik immer noch nicht verstanden hat (oder dies will). Natürlich sind die Vereine in einer ohnehin sehr prekären Liga in der aktuellen Situation auf jeden möglichen Cent angewiesen. Anstatt die Vereine immer weiter ihre Identität verkaufen zu lassen, wäre der DFB angehalten nachhaltige und faire Lösungen zu finden – eine stärkere Beteiligung der dritten Liga an den Medienerlösen beispielsweise. Auch die angebliche Freiwilligkeit ist ein Hohn: Die Vereine in der Liga stehen in Konkurrenz zueinander. Sobald die ersten Clubs die Trikot-Rückseite vermarkten, werden auch die Clubs nachziehen müssen, die darauf vielleicht gar keine Lust haben, oder sie kassieren einen Wettbewerbsnachteil. Profitieren werden davon letztlich überproportional die „großen“ Vereine, während kleinere, vielleicht viel seriöser arbeitende, Vereine schlicht nicht die gleichen Einnahmen realisieren können.

Aber was geht uns das an, wir schielen in diesen Tagen schließlich eher nach Berlin, als in Liga drei (oder so)? Die Vergangenheit zeigt, dass viele Verschlechterungen für Fans zunächst in niedrigeren Ligen umgesetzt wurden. Die Projekte Hoffenheim und RB Leipzig etwa wurden nicht ohne Grund bei Dorfvereinen umgesetzt, nachdem man zuvor bei großen Vereinen abgeblitzt ist. Es ist gerade in der aktuellen Situation ohne kritische Fans in den Stadien weiterhin wichtig, dass solche negativen Entwicklungen immer wieder angesprochen und thematisiert werden – damit man später nicht davon überrumpelt wird.


Gegen die Kommerzialisierung des Fußballs!