EIN LEBEN LANG NUR EIN VEREIN!

"Niemand ist größer als der Verein" - diesen Satz haben wir in den letzten Jahren immer und immer wieder betont, wenn es um die Einordnung der Bedeutung von Einzelpersonen für den Club ging. Es mag zunächst seltsam klingen, die Würdigung eines verdienten Spielers mit diesen Worten zu beginnen, doch passen sie so perfekt auf die Karriere von Oliver Hein. Schon in der Saisonvorbereitung im Sommer 2010 stellte Stefan Binder während eines Testspieles auf der Bank sitzend gegenüber seinen Mitspielern fest: "Der Oli kannt scho oaner werden, aber a bissl kloa isser halt für da hinten drin!" Schon bald sollten wir alle begeistert sein, von dem was in diesem 1,74m-Energiebündel steckte, das wir zu diesem Zeitpunkt vor allem als Fighter aus dem Nachwuchsbereich kannten und im Vorjahr seine erste 3. Liga-Luft geschnuppert hatte.

In der Saison 2010/11 gelang dann der Durchbruch in der Jahnelf, aus der er nun für lange Zeit nicht mehr wegzudenken war. Es ging steil bergauf mit dem ersten großen Höhepunkt in Karlsruhe 2012 und dem so wichtigen wie schönen Treffer zum Aufstieg in die 2. Bundesliga. Noch heute durchfährt es einen mit Gänsehaut, wenn man sich die Videos von damals ansieht und an das freudestrahlende Lausbubengesicht des Jungen aus dem eigenen Stall erinnert wird. Ein Jahr später musste er mit unserem glorreichen SSV wachsen für die Herkulesaufgabe 2. Bundesliga. Unser geliebter SSV war dieser leider damals in keinem Bereich gewachsen, anders Oli Hein, der einer der wenigen sportlichen Lichtblicke war. Spätestens jetzt hatte sich sein Talent deutschlandweit bekannt gemacht und der im modernen Fußball "logische" Schritt wäre nun wohl der zu einem größeren Club gewesen. Es ist wohl niemandem zu verdenken, in dieser Situation darüber nachzudenken, was man nun alles erreichen kann, wenn man wechselt. Und wir sind uns sicher, dass Oli eine erfolgreiche Profikarriere hinlegen hätte können, deren Statistik sich vielleicht heute (noch) besser lesen würde. Doch mit der Entscheidung zu bleiben, war der Grundstein gelegt für einen Weg, der mehr war als erfolgreiche Zahlen in der eigenen Vita und an den man sich noch lange erinnern wird.

Der Weg war steinig, es ging Täler zu durchschreiten, in denen nicht alles immer nur einfach war. Auch Osnabrück 2014 wird nie vergessen sein. Es war vielleicht der Moment, wo wir uns für wenige Sekunden am Entferntesten waren und der doch gezeigt hat, wie wichtig man sich ist und wie dick das emotionale Band ist, das uns verbindet, auch wenn man einmal einen anderen Blick auf die Dinge hat. "Gemeinsam durch Dick und Dünn gehen" - eine häufig als Plattitüde verwendete Floskel beschreibt die gemeinsame Zeit am Besten.

Der Kämpfer Oli Hein steckte auch nicht auf, als es ganz tief runter auf die Dorfplätze nach Rain und Buchbach ging. Und gemeinsam ging es wieder aufwärts dorthin, wo sein Stern aufgegangen war - in die 2. Bundesliga. Doch jetzt war der SSV Jahn endlich soweit, in dieser Liga zu bestehen, da machte sein Körper ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Doch die Tatsache, dass Oli Hein auch bei zwischenzeitlich 21 Einsätzen in drei Jahren immer noch eines der prägenden Gesichter der Jahnelf bleiben sollte, zeigt welch immense Bedeutung und welche Stellung er sich über Jahre erarbeitet hatte. Inzwischen waren es vielmehr seine Erfahrung, Mentalität und vor allem sein Wertegerüst, was dem Verein und der Mannschaft als Rückgrat diente, als seine fußballerischen Fähigkeiten. Umso mehr freut es uns alle, dass er im letzten Jahr seiner Karriere nochmal zu alter Form zurückfinden konnte und noch einmal auch auf dem Platz mithelfen konnte, dass die Herkulesaufgabe Klassenerhalt erneut gelingen sollte. Schade, dass wir da nicht noch mehr dabei sein konnten.

Wir alle haben viel geflucht und gelitten wegen der vergebenen Matchbälle für den Klassenerhalt. Vielleicht war es aber genau das Spiel das es gebraucht hat als passenden Abschluss für die wilde Karriere von Oliver Hein! Es war eben keine Bilderbuchzeit aus dem Märchen. Es war eine Zeit mit Nackenschlägen, Existenzängsten und Zittern. Sich aus solchen Situationen zu befreien ist emotionaler und im Nachhinein oft sogar noch schöner, als der Erfolg an sich! Für viele seiner Mannschaftskollegen war das ein wichtiger Lerneffekt, der für Jahre nachhallen wird. Für das letzte Spiel von Oli Hein war es wohl das perfekte Szenario für einen würdigen Abschluss. Was hätte es besseres geben können als einmal mehr sich aus einer Extremsituation zu befreien und dann gemeinsam das Erreichte zu feiern. Es war eine Karriere, die nicht perfekt war, in der der Ball eben kurz vor Schluss auch mal von der Unterkante der Latte ins Feld zurück fallen musste.

Oli hat alles mitgemacht mit dem Jahn. Während sich all die Profis Jahr für Jahr in den Floskeln üben, dass sie sich erst nach erreichten Zielen Gedanken über die Zukunft machen würden und Regensburg natürlich ihre erste Adresse bleiben würde, um dann wenige Tage später doch zu wechseln, hat er allen Verlockungen widerstanden und ist uns immer treu geblieben. Kein Geld der Welt kann das ersetzen, was er beim SSV Jahn Regensburg geschaffen hat. Er hat ein wichtiges Kapitel mitgeschrieben in einem Buch, das nun schon seit über 130 Jahren geschrieben wird.

Er ist das Vorbild, das die zahlreichen Talente brauchen, die inzwischen in der Jahnschmiede schlummern. Er hat es vorgemacht, jetzt sind sie dran! Das Leben ist mehr als Geld und Titel - mit sich selbst im Reinen an etwas Großem zu bauen, das für immer bleibt, wird ihm niemand mehr nehmen können. Er war nie größer als der Verein und wollte es auch nicht sein, doch der SSV Jahn Regensburg ist dank ihm heute größer als 2007, als er sich dem gemeinsamen Weg angeschlossen hat.

Wir verneigen uns!