Niemand ist größer als der Verein

„Niemand ist größer als der Verein“ – ein Spruch, der sicher ein wenig abgedroschen ist, aber dann doch wie kein anderer zu dem Erfolgsrezept passt, das uns nur gut drei Jahre nach der peinlichen Niederlage beim TSV Buchbach dahin gebracht hat, nun zum zweiten Mal vollkommen selbstverständlich in der oberen Tabellenhälfte der 2. Bundesliga mitzuschwimmen.
Insofern genug Anlass, um die Saison zu feiern, das Erreichte zu genießen und mit gleichem Elan sich auf die kommende Saison zu freuen.
Doch auch nächstes Jahr werden wir den Klassenerhalt nur wieder schaffen, wenn weiter gilt, dass niemand größer als der Verein ist. Das gilt sowohl in guten, als auch in schlechten Phasen. Umso mehr werden wir es auch in der kommenden Saison in unserer Rolle als Anführer der Hans Jakob Tribüne wieder als unsere Pflicht verstehen, die Grundwerte weiter hochzuhalten, sowohl dann wenn es darum geht, in schlechten Phasen diejenigen auszubremsen, die schon den Teufel an die Wand malen, als auch wenn in guten Phasen der Hype überhand nimmt, wie in dem Fall, um den es uns geht.

Dabei sind uns in diesem Zusammenhang am letzten Spieltag gegen Sandhausen einige Dinge dann doch massiv gegen den Strich gegangen.
Da war einmal eine Aktion eines Jahnsponsors, der in großer Zahl Schals mit seinem Logo auf der Hans Jakob Tribüne verteilte. Kann man es generell als kritisch werten, dass ein Sponsor seine Werbeaktionen als Fanartikel „tarnt“ und das dann auch noch im Fanblock tut, so war die Aktion hinsichtlich der zeitgleich laufenden Hans Jakob Tribünen-Schals sicherlich sehr unglücklich. Aber das gilt es für uns im Dialog mit dem Verein zu klären. Was aber aus unserer Sicht gar nicht geht, ist die Verwendung solcher Schals bei den Schalparaden auf der Hans Jakob Tribüne. Die Schalparade verkörpert wie nichts anderes die Verbundenheit jedes einzelnen Fans mit dem Verein. Aus den vielen einzelnen Schals ergibt sich ein großes zusammenhängendes Bild des Zusammenhalts mit dem einen gemeinsamen Inhalt: unserem geliebten Sport- und Schwimmverein Jahn Regensburg von 1889. Dieses Bild gehört einzig und alleine uns Fans. Es darf gar nicht erst anfangen, dass sich hier irgendwelche Firmen über die Hintertür „einkaufen“ können – niemand ist größer als der Verein.
Ebenso missfallen hat uns der ungemeine Hype um die Verabschiedungen von Philipp Pentke und unseres Trainers. Die Emotionen rund um den Abschied von Pentke konnten wir noch einigermaßen nachvollziehen, immerhin war er eines der zentralen Gesichter der vorher dargestellten Erfolgsgeschichte. Allerdings sollte man sich schon fragen, wo die Verhältnismäßigkeit ist und so muss man dann doch fragen dürfen, wie man hier noch die Relation kriegen soll, wenn eines Tages wirklich mal Wastl, Olli oder Mersad ihre Zeit beim SSV Jahn beenden sollten… 10 Minuten Spielunterbrechung mit Stadionchoreo?
Weiterhin kann man schon die Stirn runzeln, dass die zeitintensive Auswechslung eines verdienten Spielers plötzlich wichtiger ist als die noch reale Chance, in der Liga Rang 6 zu holen. Niemand sollte größer als der Verein sein und das vor allem dann, wenn er nicht mal in selbigem eine Größe ist wie Achim Beierlorzer.
Es steht außer Frage, dass dieser in den vergangenen beiden Jahren ein hervorragender Dienstleister des Vereines war. Es war eine Zusammenarbeit, die für beide Seiten absolut erfolgreich war. Der SSV Jahn hatte für zwei Jahre einen fachlich hervorragenden Trainer, der sich in dieser Zeit ebenso weiterentwickeln konnte, dass er nun einen finanziell und sportlich sicherlich lukrativen Vertrag in der Bundesliga unterschreiben konnte. Die Kooperation kann also in jedem Falle als Erfolg gewertet werden – nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.
Warum wird um ihn ein solcher Hype gemacht? Warum nicht über andere Leute, wie Sargis Adamyan oder Jonas Nietfeld, die genauso lange im Verein waren. Ist die Leistung eines Nietfeld, der viele eigene Interessen zurückstecken musste, nicht sogar höher zu bewerten? Hat ein Sargis Adamyan mit seinen Toren und Vorlagen nicht auch entscheidend beigetragen. Oder sind es dann doch die bodenständigen Typen, die man dann doch nicht so erachtet, wie denjenigen, der sich in den Mittelpunkt begibt?
Dass ausgerechnet derjenige, der sich gerade für mehr Geld und Fame woanders hin begibt, beim Abschied das Bild der Familie bedient, wirkt schon fast wie ein Hohn. Es mag ja sein, dass es heute auch im realen Leben immer wieder Menschen gibt, die ihre Familien verlassen. Das Bild dessen, was wir mit der zuletzt häufig zitierten „Jahnfamilie“ erreichen wollen, stellt jedoch ein anderes dar. Es gäbe jetzt noch genügend andere Dinge, die man aufzählen könnte, warum ein Achim Beierlorzer nie ein echter Teil dieser Familie sein konnte. Sein unreflektierter Umgang mit seiner Vergangenheit bei RB – eines der Konstrukte, das die Existenz von Vereinen wie dem unseren wie nichts anderes bedroht – sei hier nur als Beispiel genannt. Aber es geht uns jetzt nicht darum, diesen Trainer in Misskredit zu ziehen. Um ehrlich zu sein, ist er uns schon jetzt reichlich egal. Die Zeit ist vorbei.
Sehr wohl aber möchten wir zu einer Diskussion anregen, die Show um Einzelpersonen zu hinterfragen. Es steht außer Frage, dass es Menschen gibt, die diesem Verein natürlich ein Gesicht geben. Eben dann, wenn ihre Lebensleistung im direkten Zusammenhang mit dem Verein steht. Und wenn der Verein Teil ihrer Identität ist, die sie nicht bereit sind herzugeben. Einen Hans Jakob kennt man heute noch. Auch einen Olli Hein wird man in 50 Jahren noch nicht vergessen haben – eben weil gerade in wichtigen Momenten der Verein größer war als man selbst, zum Beispiel wenn die Chance da ist, sich selbst womöglich größer zu machen, zum Beispiel durch einen Wechsel in eine höhere Liga.

In unserem Verein funktioniert das in den letzten Jahren sehr gut und das soll auch weiterhin so bleiben. Ein neuerlicher Beleg, der just in dem Moment bekannt wurde, als wir diesen Text eigentlich mit etwas Abstand veröffentlichen wollten, dafür, dass das Wertebild im Verein grundsätzlich stimmt, ist die Tatsache, dass man mit Mersad Selimbegovic nun jemandem die Chance als Chefcoach gibt, den man tatsächlich als Teil der Familie und Aushängeschild des Vereines bezeichnen kann. Diese Gesichter, die mit dem Verein durch dick und dünn gegangen sind und auch geblieben sind, als es nicht so rosig war und es für Außenstehende bessere Optionen als den SSV gegeben hätte, sind es, die den Club und seine Werte ausmachen. Lasst uns diese Werte hochhalten, lasst uns den Verein hochhalten, feiern, nach vorne schreien – an jedem Tag und an jedem Ort. Lasst uns gemeinsam dafür kämpfen, dass der Jahn trotz allem Wachstum eine Familie bleibt!
Eine Familie, die zusammenhält, die ihre Werte lebt und die sich treu bleibt. Und eine Familie, in der niemand größer ist, als sie selbst – als der Verein SSV Jahn 1889 Regensburg.